Ober-Seemen
(geographisch und historisch)

Ober-Seemen ist ein oberhessisches Dorf am südwestlichen Rand des Vogelsberg. Es gehört noch zum Wetteraukreis obwohl es geografisch schon zum Hohen Vogelsberg zuzurechen ist. Seit 1971 gehört Ober-Seemen zur Gemeinde Gedern. Ober-Seemen liegt am Ende des Seementals, das sich sich von hier in südliche Richtung erstreckt. Zur Hälfte liegt das Dorf noch im Naturpark Hoher Vogelsberg. Die mittlere Höhe der Gemarkung, die sich zwischen 350m und 600m üNN befindet beträgt ca. 460m Höhe. Der Seemenbach der dem Tal und dem Dorf den Namen gibt entspringt am nördlichen Rand der Gemarkung unterhalb der Alteburg (617m) und fließt in südliche Richtung durch das Tal sowie das Dorf. Er verläßt die Gemarkung in Richtung Mittel-Seemen fließt nach ca 20km durch Büdingen und mündet schließlich in Lindheim in die Nidder. Weitere Bachläufe in Ober-Seemen sind der Gottesbach, der unterhalb von Ober-Seemen in den Seemenb. fließt und der Hundsbach, auch Horstbach genannt, der als Bracht durch das Brachtal in Wächtersbach in die Kinzig fließt. Kleinere Bachläufe fliessen noch Richtung Gedern, Merkenfritz und Illnhausen ab. Östlich wird das Tal durch den Reichelstein (497m), dem Peterslug (471m) und dem Hermmanslug (476m) die in einer Linie in südliche Richtung verlaufen abgetrennt. Im Südwesten erhebt sich nach Wenings hin der Kernberg (460m) über den die Alte Handelstraße verläuft. Begibt man sich in westliche Richtung um nach Gedern zu gelangen und benutzt man die alte Straße, den "Gederner Berg" mit seinen 18% Gefälle, so hat man zur Rechten den Steimels (440m), auf dem sich auch Wasserhochbehälter befindet. Im Norden erhebt sich das Gelände westlich des Seemenbach, wenn man am Feriendorf (500m) vorbei die Bundesstraße B275/276 überquert bis ca 600m. Die Gemarkung Ober-Seemen endet hier unterhalb der Alteburg. Im nördlichen Bereich ist die Gemarkung fast vollständig bewaldet währen der südlich Teil zumeist aus landwirtschaftlicher Nutzfläche besteht.
Alte Kreiskarte des ehemaligen Kreis Büdingen.
Die Gemarkung Ober-Seemen in einer alten Kreiskarte des Kreis Büdingen.
Das Klima ist als Rau zu bezeichnen. Da Ober-Seemen an der Westseite des Vogelsberges liegt ist es meist dem Steigregen ausgesetzt. Die Jahresniederschlagsmenge beträgt um die 1000mm. Der Boden besteht aus Verwitterungsprodukten des Basalts. In den Tälern haben sich durch Anschwemmung dicke Lösschichten gebildet. In den Höhenlagen beträgt die dünne Erdschicht nur 10 - 20cm. Wie oben beschrieben gehört Ober-Seemen seit der Gebietsreform 1971 zur Gemeinde Gedern im Wetteraukreis. Im Norden grenzt Ober-Seemen an den Vogelsbergkreis, zu dem die angrenzenden Gemeinden Grebenhain und Schotten gehören. In östlicher Richtung grenzt der Landkreis Hanau mit der Gemeinde Birstein an Ober-Seemen. Verlässt man die Gemarkung durch das Seemental so kommt man nach Nieder- und Mittel-Seemen. folgt man der Alten Handelstraße über den Kernberg hinweg so kommt an dem Dörfchen Schönhausen vorbei durch das ehemalige Wernings nach Wenings. Westlich liegt Gedern. In der ersten Siedlungsperiode entstanden vereinzelte Höfchen die sich später zum Dorf zusammenschlossen, wie man heute noch aus vielen Flurnamen mit den Endungen "höfchen" erkennen kann. Der Name Ober-Seemen geht höchstwahrscheinlich auf den Namen Seemenaha zurück. Das Wort aha bedeutet soviel wie Wasser und Symme ist gleichbedeutend wie Binse, die früher am Bach gestanden haben sollen. So ist Seemenaha gleichbedeutend wie Binsenbach oder Seemenbach. Die Endung aha oder affa läßt wie oben vermutet auf die erste Siedlungsperiode vor 400 n. Chr. schließen. Die Kirche von Ober-Seemen entstand aus einer Kapelle des 13./14 Jahrhundert. Um diese Zeit - 1320 wird Ober-Seemen auch urkundlich erwähnt. Im 14.Jahrhundert war Ober-Seemen Filial von Gedern.

Wappen des Gerichts Seemen.
Ober-Seemen gehörte bis zum austerben der Linie zu den Herrn von Eppstein, dann zu den Grafen Stolberg, viel dann der Linie Stolberg-Roßla zu und kam 1806 in Hessische Oberhoheit. Im Jahr 1565 wird das Gericht Ober-Seemen erwähnt. Um 1535 wird Ober-Seemen mit Gedern lutherisch. Im 30jährigen Krieg kam Ober-Seemen mit nur 32% Bevölkerungsverlust noch glimpflich davon. 1748 zerstört ein Großfeuer viele Häuser an der jetzigen Hauptstraße. Im Jahr 1752 wird von der Schule berichtet, die schon nach dem 30jährigen Krieg bestanden haben muß. 1764 zerstörte ein Hagelsturm die komplette Ernte und blies den Kirchturm von der Kirche. 1797 bekam Ober-Seemen Marktrechte und durfte somit 4 Märkte im Jahr abhalten. Vom Sommer 1857 bis Sommer 1858 regnete es kaum, sodas viele Quellen versiegten und es an Trinkwasser mangelte. 1865 wurde durch die israelitische Gemeinde, welche damals um die 18% der Bevölkerung ausmachte, ein Synagoge errichtet. Im Jahr 1895 wird in Ober-Seemen die Postelle mit Telefonie errichtet. 1905 erreichte das Eisenbahnnetz Ober-Seemen. 1925 wurde das erste Auto gefahren. Das erste Radio gab es 1921. Seit 1912 wurde Ober-Seemen mit Strom versorgt und 1904 wurde die Wasserversorgung durch Rohrleitungen eingeführt. Seit 1971 gehört Ober-Seemen zusammen mit Mittel-, Nieder-Seemen, Wenings, Gedern und Steinberg zur Großgemeinde Gedern. In Ober-Seemen haben sich seit dem 19.Jahrhunder viele Vereine gebildet und prägen somit das kulturelle geschehen in der Region. So gibt es in Ober-Seemen 2 Gesangvereine, den Männergesangverein Liederlust 1840, die Sängerabteilung der KSG, den Sportverein KSG, einen Landfrauenverein, außerdem einem Obst und Gartenbauverein, einen Angelsportverein, natürlich eine Freiwillige Feuerwehr und so weiter...


Verschiedene Karten der Gemarkung und Umgebung

Karte wird geladen...
Leer
Bachläufe
Bebauung
Anhöhen
Hauptstraßen
Forst
Gemarkung
Naturpark







Sattelitenaufnahme - Ober-Seemen
Sattelitenaufnahme von Ober-Seemen. Diese Aufnahme wurde duch den russischen Satteliten COSMOS aus einer Höhe von 270 km aufgenommen.




Einwohner in Ober-Seemen (historisch)

Jahr 1635 1648 1828 1834 1846 1849 1861 1864 1871 1875
Einwohner 395 243 832 997 1020 1051 882 862 822 824

Jahr 1880 1885 1890 1900 1910 1919 1925 1933 1949 1950
Einwohner 839 822 860 875 960 984 1008 1071 1396 1392



Pfarrer der ev. Kirchengemeinde

Name Zeitraum
Nikolas Gerlach 1602 - 1625
Johannes Marsteller 1635 - 1644
Melchior Ligarius 1644 - 1648
Johann Gebhardt Crusius 1649 - 1668
Johann Heinrich Roth 1668 - 1681?
Johann Georg Klein 1691 - 1709
Johann Gebhard Nieß 1710 - 1753
Johann August Zimmermann 1753 - 1786
Ludwig Wilhelm Christian Winter 1786 - 1794
Johann Wilhelm Friedrich Göschel 1794 - 1835
Christian August Gebhard 1836 - 1851
Matthias Köhler 1859 - 1865
Friedrich Flick 1865 - 1879
Nikolaus Fritsch 1891 - 1904
Hermann Repp 1905 - 1922
Rene Wallau 1922 -1925
Alfred Naumann 1925 - 1935
Ludwig Knierriem 1935 - 1939
... ...



Verteilung der Höhe über NN

Höhe üNN (m) 350-400 400-450 450-500 500-550 550-600 Gesamt
Fläche (ha) 157,6 633,1 711,9 298,0 34,7 1835



Ober-Seemen 1320 - 1945

4.-6. Jh. Wahrscheinliche Besiedlung in der 1. Siedlungsperiodeund entstehung des Namens Simmene
1357 Verkauf des Zehnten von Ober-Siemene an Heinrich von Rüdinckin
1535 Als Filial von Gedern wird Ober-Seemen lutherisch
1546 Kirchenbaurechnung
1558 In Kirchenbaurechnung wird Galgenfeld erwähnt
1565 Erwähnung des Gerichts Ober-Seemen
1590 Ober-Seemen gehört zu Gr. Stolberg
1678 Galgen an Grenze zu Gedern wird Ortenberg und somit Ober-Seemen zugesprochen
1690 Ober-Seemer Wirtschften werden verpachtet
1723 Brauhaus am Römer
1724 Filialen Mittel- und Nieder-Seemen trennen sich von Ober-Seemen und werden zusammen selbständige Pfarrei
1742 - 1766 Diakoniestelle in Ober-Seemen
1752 Erwähnung eines Diakon und Präzeptor für Ober-Seemer Schule
1764 älteste Kirchenglocke in Ober-Seemen
1786 Ober-Seemen zuräck an Stolberg-Roßla
1789 Größte Kirchenglocke wird angeschafft
1791 Ober-Seemen zählt 90-100 Schulkinder
1796 Judenschutzgeld beträgt 10 Gulden
1797 Marktrecht
1806 Ober-Seemen unter hessischer Oberhoheit. Großherzugtum Hessen.
1814 Durchmarsch russischer Truppen
1838 Haas erster Bürgermeister in Ober-Seemen.
1840 dritte Kirchenglocke wird angeschafft.
1840 Gesangverein Liederlust wird gegründet.
1841 Großherzoglicher Berginspektor vermutet Braunkohlevorkommen in Ober-Seemen
1852 Ober-Seemen gehört zum Kreis Nidda.
1865 Errichtung einer Synagoge.
1866 Einquartierung Östereichischer, Italienischer und Ungarischer Infantrie. 2200 Mann.
1866 Alle Kriegsteilnehmer aus dem Dorf kehren unversehrt heim.
1871 Ober-Seemen hat im Krieg einen Toten zu beklagen.
1874 Ober-Seemen im Kreis Schotten.
1890 Ernst Orth letzter Nagelschmied.
1897 Gründung des Krieger- und Militärverein Hassia Ober-Seemen
1902 Errichtung einer dritten Schulstelle
1903 Stadt Frankfurt plant Talsperre zur Wasserversorgung in Ober-Seemen
1904 Generalkulturplan.
1904 Allgemeine Wasserleitung wird angelegt.
1905 Eisenbahnnetz erreicht Ober-Seemen.
1911 Leichte Gebäudeschäden durch Erdbeben
1913 Eine vierte Schulstelle wird benötigt.
1913 Einweihung des Kriegerdenkmals.
1914 - 1918 Kirchenglocke von 1840 wird abgeliefert und eingeschmolzen
1918 50 Männer kehren nicht mehr aus dem Weltkrieg heim.
1920 Wenings bezieht Wasser aus Ober-Seemen.
1921 Erstes Radio im Dorf
1924 Feldbereinigung in Ober-Seemen
1925 Benno Bing fährt erstes Auto in Ober-Seemen und Phillip Sittel besitzt Motorrad
1930 Einweihung einer neuen Kirchenglocke
1938 Ober-Seemen gehört zum Kreis Büdingen.
1945 Amerikanische Truppen erreichen Ober-Seemen
1945 77 Gefallene und Vermißte kehren nicht mehr in ihre Heimat zurück.
1946 Heimatvertrieben aus dem Sudetenland treffen ein.



weitere Tabellen und Grafiken sind in Vorbereitung.